• Lieblingsärgernisse: Gebrüllte Werbung

    Ja, wenn man einmal anfängt, oder? Aus gegebenem Anlass fällt mir gerade noch ein Pet Hate ein: gebrüllte Werbung, meist im Radio, aber auch im Fernsehen möglich.

    Da schreit mich einer an, dass ich "SOFAS, SESSEL, SITZGRUPPEN UND NOCH MEHR POLSTERMÖBEL BEIM SOFA-KING JETZT ZUM HALBEN PREIS" bekommen kann.

    Und nicht nur die Lautstärke hasse ich, sondern auch die Aufforderung mich gefälligst dranzuhalten: "ABER BEEILEN SIE SICH!!! DAS ANGEBOT GILT NUR NOCH BIS ZUM 30. NOVEMBER!"

    Mir tun auch die armen Menschen leid, die ihr Geld damit verdienen müssen, Werbung zu brüllen und dabei so zu klingen, als seien sie wegen der Wahnsinnspreise von Bodenfliesen völlig aus dem Häuschen.

  • Alljährlicher Non-Event

    Im Advent sind die meisten Geschäfte innen weihnachtlich geschmückt und außen mit Weihnachtsbeleuchtung behängt. Früher tauchte die Weihnachtsbeleuchtung Ende November irgendwann auf und wurde eingeschaltet. Heute ist das ein „Event“, zumindest in Großbritannien, aber eine kurze Google-Suche bestätigte, dass auch in Deutschland jetzt das „Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung“ einen Platz in den Veranstaltungskalendern mancher Städte hat.

    „Und, was machst du heute?“
    „Ich geh’ zum Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung.“
    „Oh. Super. Dann viel Spaß!“

    Wer geht da hin, frage ich mich? Wer möchte einem Prominenten beim Umlegen eines riesigen Schalters zugucken? Viele, wie es scheint. In Birmingham wurden dieses Jahr 5.000 Zuschauer erwartet, aber Schätzungen zufolge waren 27.000 da, ein Umstand der mit dazu beigetragen haben mag, dass eine Metallbarriere umfiel und 60 Menschen verletzt wurden. Jetzt gibt es schon Massenunfälle beim Einschalten der Weihnachtsbeleuchtung ...

    In London haben verschiedene Einkaufsstraßen, Märkte und Viertel ihre eigenen Christmas Lights Events, denn man muss ja das Äußerste aus dem Ereignis herausholen: Oxford Street, Regent Street, Covent Garden, Leadenhall Market ... Damit der Weihnachtsbeleuchtungsfan nicht den Überblick verliert und kein einziges dieser weltbewegenden Ereignisse verpasst, gibt es online und in Zeitungen den „Weihnachtsbeleuchtungsführer“.

    Auf Oxford Street legte in diesem Jahr Jim Carrey den Schalter um. Das ist London. Von da an geht’s nur noch bergab, denn je kleiner die Stadt, desto D-listiger ist der prominente Einschalter. Natürlich ist das Einschalten nicht alles. Natürlich gibt’s auch Musik und Tra-ra, meistens von Sängern oder Bands, die irgendeine Talentshow NICHT gewonnen haben. Ist der Gesang der Bands verklungen, setzt die Weihnachtsliederberieselung ein, teilweise aus Lautsprechern auf der High Street. Es gibt kein Entrinnen!

    Und weil’s so schön ist, beschränkt sich die Weihnachtsbeleuchtung und musikalische Untermalung auch nicht nur auf die letzten vier Wochen vor Weihnachten. Damit sich der ganze Aufwand lohnt, fängt man immer früher an. Auf Oxford Street war es dieses Jahr der 5. November. Letztes Jahr geriet ich aus Versehen am 12. November in den Trubel. (Geht mal gucken, da gibt’s auch Fotos von der spektakulären Weihnachtsdeko.)

    Eigentlich finde ich die Vorweihnachtszeit richtig schön und gemütlich. Schade nur, dass die Vorweihnachtszeit jetzt immer schon vor Halloween beginnt. Da hat man es bis Weihnachten ja bis oben stehen und sehnt sich danach, im Radio einen Song ohne Glockengeläut zu hören und einen Keks ohne Zimt zu essen.

  • Lieblingsärgernisse: Internet-Formulare

    Genau wie Callcenter-Menüs sind HTML-Formular automatisierter Mist, der einem nur das Leben schwer macht. Sie sind eine unnötige Fehlerquelle, die dem Kunden (meistens sind es ja Formulare für Kunden) kein bisschen helfen, sondern nur bei ihrem Urheber Arbeitsplätze einsparen helfen, indem sie ihm lästige Kunden vom Hals halten.

    Da hätte ich zum Beispiel heute eine Frage an unseren Stromlieferanten bezüglich unserer Rechnung. Ich gehe auf die Webseite auf der Suche nach einer E-Mail-Adresse. Die gibt es nicht, wohl aber ein "Contact Us"-Formular. Da muss ich erst alle möglichen Felder ausfüllen, Name, Telefonnummer, Adresse.

    Hier in Großbritannien grenzt die alpha-numerische "Postleitzahl" (post code) die Adresse schon relativ eng ein, deshalb haben Online-Formulare meist eine Funktion, bei der man - statt seine ganze Adresse einzutippen - bloß den Post Code einzugeben und dann auf "Adresse suchen" zu klicken braucht. Der Computer füllt dann den Rest der Adressfelder aus. So auch heute bei meinem Stromlieferanten. Alle Angaben gemacht tippe ich dann also meine Frage in das "Frage"-Feld, klicke "Abschicken" und ... nix.

    Ich scrolle wieder das Formular hinauf und sehe: Ich habe meinen "Titel" nicht ausgewählt, nicht spezifiziert ob ich Mr, Mrs, Miss, Ms oder Dr bin. Wen interessiert das überhaupt? Ist das nicht piepegal? OK, schnell behoben. Klicke "Abschicken" ... nix.

    Ich scrolle auf der Suche nach dem nächsten Fehler und sehe: "Ungültiges Adressformat" unter dem Kasten mit dem Namen meiner Stadt, dem Kasten, den nicht ich ausgefüllt habe, sondern der Computer. Außerdem steht da drin ganz normal der Name meiner Stadt. Was ist daran ungültig? Wie hätten sie's denn gern? Tja, aber leider lässt sich das Formular mit meiner Frage mit einem ungültigen Adressformat nicht abschicken.

    Vor ein paar Jahren wollte ich bei einer deutschen Firma etwas bestellen. Natürlich vergewisserte ich mich zunächst, ob sie auch ins Ausland versenden und das taten sie. So füllte ich also wieder pflichtschuldigst alle erforderlichen Angaben aus, tippte unsere Postleitzahl ein und wählte das Land aus. Für die Länder, in die sie versenden hatten sie ein Auswahlmenü und "Großbritannien" war dabei. Alles wunderbar.

    Ich klicke "Abschicken" und bekomme die Fehlermeldung: "Bitte geben Sie eine numerische Postleitzahl ein". Ich habe aber eine alpha-numerische Postleitzahl. Wenn ich die Buchstaben weglasse, kommt das Paket nicht an. Die Firma versendete also theoretisch nach Großbritannien, erlaubte Bestellern aus Großbritannien aber nicht die Eingabe ihrer Postleitzahl. Mwoaaah!!!

    So habe ich dann eben deren "Kontakt"-Formular ausgefüllt und auf den Fehler im System aufmerksam gemacht. Ich bekam nie eine Antwort und habe auch nie etwas bestellt.

  • Bisschen windig

    Ich weiß ja nicht, wie's bei euch heute ist ("Kyrill" hatten wir hier auch), aber hier stürmt's heute.

    Die Queen-Elizabeth-II-Brücke (auch QEII Bridge oder Dartford Bridge, siehe unten) ist gesperrt wegen Windigkeit, und man kann sich vorstellen, dass es bei diesem Wetter kein Vergnügen ist, auf einer Hängebrücke im Stau zu stehen (ganz im Gegensatz zu sonst, versteht sich).

    QEII Bridge

    Im Moment hüpft der Gatte durch den Garten, ringt mit der Schuppentür und versucht, herumfliegenden Bauschutt einzufangen und irgendwie festzuzurren.

    Gerade ist es draußen ziemlich laut. Es pfeift und rappelt und manchmal wackelt das Haus. Dennoch: Wir wollen nicht klagen. Nicht weit von hier, in Benfleet, tanzte heute morgen ein Mini-Tornado durch die Straßen, der Dächer abdeckte und Autos beschädigte. Hier ein Bericht unserer Lokalzeitung (mit besorgniserregenden Rechtschreibfehlern, muss die Aufregung gewesen sein). Und damit ihr mir auch glaubt, liefere ich sogar Filmmaterial (obwohl der Urheber dachte, der Tornado sei in Basildon).

  • Lieblingsärgernisse

    Hier in Großbritannien gibt es eine Sendung namens „Room 101“. Es handelt sich um eine Art Talkshow, in der Comedian Paul Merton immer einen prominenten Gast hat.

    Der Gast darf sich seiner „Pet Hates“ entledigen. Das ist ein Begriff, für den ich noch keine ebenbürtige deutsche Übersetzung gefunden habe. „Pet Hates“ sind die kleinen – oder großen – Ärgernisse des Alltags, die einem auf den Keks gehen, über die man sich immer wieder neu aufregen kann, wie am ersten Tag. Dinge, die augenscheinlich zu nichts nutze sind, die nicht schmecken, die einem nicht gefallen ... Dabei sind es ganz persönliche Abneigungen, über die sich andere Leute kein bisschen aufregen oder die andere sogar toll finden.

    Das sind Dinge wie „Kleidung als Geschenk“, „Animateure“, „Okraschoten“, „Shirley Bassey“, „Hundemäntel“, „Gerichtszeichner“ … Es kann alles sein.

    Der Gast nennt vor der Sendung sechs oder sieben „Pet Hates“ oder so. In der Sendung werden diese Dinge dann irgendwie bildlich dargestellt: ein Gegenstand, ein Bild, eine Puppe symbolisieren das Objekt des Ärgers. Paul Merton diskutiert dann mit dem Gast, WIE hassenswert diese Ärgernisse wirklich sind und ob sie es verdienen, für immer von der Erdoberfläche zu verschwinden, in dem sie in das Zimmer 101 geworfen werden. Manchmal darf auch das Publikum mit abstimmen, und nicht immer wird die Welt vom Ärgernis befreit.

    Warum haben wir dafür kein Wort? Lieblingsärgernisse haben wir doch trotzdem. Oder bin ich da die einzige?

    Eines der meinigen ist, „Schminken in öffentlichen Verkehrsmitteln“. Das ist eine Unsitte, die zumindest in London und Umgebung stark verbreitet ist. Am schlimmsten ist es in der U-Bahn, wo dank des Arrangements der Sitzmöbel der ganze Wagen zugucken kann muss. Ich bin hin und her gerissen zwischen der Faszination darüber, wie sich ein unscheinbares Mauerblümchen zwischen Finchley Central und Tottenham Court Road in eine Diva verwandelt, ohne sich bei dem Geruckel der Northern Line mit dem Kajalstift ein Auge auszustechen oder mit der Mascara einen achtreihigen Bremsstreifen auf die Wange zu schmieren und der Abscheu, die ich empfinde, wenn der Puder- und Lidschattenstaub Fremder auf meinem schwarzen Wollmantel landet.

    Außerdem fühle ich mich auf irrationale Weise peinlich berührt, so als sei ich gezwungen, die Badezimmerrituale wildfremder Menschen hautnah mitzuerleben. Ich fühle mich so, als würden sie sich in aller Öffentlichkeit die Beine enthaaren oder die Oberlippe wachsen. Schminken ist für mich Privatangelegenheit. Das macht man zu Hause oder von mir aus auf der Damentoilette im Büro.

    Aber das sieht nicht jeder so. Den meisten anderen ist es piepegal, ob sich neben ihnen jemand schminkt oder nicht, wieder andere gucken gern dabei zu – nicht zuletzt wegen der unterhaltsamen Grimassen, die beim Schminken geschnitten werden – und es gibt sicher auch Damen, die die Schminktricks anderer Leute sehr lehrreich finden.

    Ein klassischer Pet Hate also. Ich hab’ noch mehr (Callcenter-Menüs - mein Anliegen ist nie dabei! Nägelkauen!).

    Geht's nur mir so? Habt ihr auch welche?

  • Ein Jahr Britblog!

    Mir fällt gerade auf, dass ich heute seit genau einem Jahr meine Erfahrungen auf der Insel mit der Menschheit teile.

    Was machen wir denn da? Einen Tusch? Eine Torte? Flasche Champagner auf? Oder erstmal herausfinden, wann es zum ersten Mal einer gelesen hat?

  • Zeitschriftendürre

    Es geht wieder los. Zeitschriftenfreie Zeit, nix zu lesen.

    Die erste Dezemberausgabe einer Frauenzeitschrift wurde am Wochenende geliefert.

    Bu-huu :'(

  • Der Klatschmohn-Appell

    Wer um diese Jahreszeit nach Großbritannien kommt, dem wird auffallen, dass beinahe jeder Zweite einen papiernen Klatschmohn am Revers trägt (im Fernsehen jeder). Das ist der „Poppy Appeal“ der wohltätigen Organisation „Royal British Legion“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, britische Soldaten, Veteranen, Kriegsversehrte und/oder deren Hinterbliebene mit Geld, Rat oder Beistand zu unterstützen.

    Natürlich gibt’s die RBL – gegründet gleich nach dem 1. Weltkrieg – das ganze Jahr, aber Ende Oktober bis Anfang November fällt sie mehr auf, wenn im Vorfeld des Volkstrauertages („Remembrance Day“), der am Sonntag ist, die Klatschmohne („Poppies“) verkauft werden. Der Klatschmohn steht symbolisch für die Felder von Flandern, wo im 1. Weltkrieg so viele Soldaten ihr Leben gelassen haben.

    Den Papierklatschmohn bekommt man als Belohnung dafür, Geld gespendet zu haben. (Wie bereits früher einmal erklärt, zieht man in Großbritannien nicht bescheiden den Mantel des Schweigens über seine Spendenfreudigkeit, sondern man darf muss sie am Revers tragen!)

    Natürlich kann anscheinend auch eine augenscheinlich so unaufregende Aktion zu Klatschmohn-Neid oder Klatschmohn-Prahlerei führen. Waren früher einmal alle Poppies gleich, so gibt es jetzt auch Angeberpoppies. Erst gestern berichtete der „Evening Standard“, dass die Teilnehmer der Talentshow „X-Factor“ (so etwas wie „Großbritannien sucht den Superstar“) Luxusklatschmohne aus Seide zu tragen schienen. Noch schlimmer: Die Frau des Premierministers, Sarah Brown, wurde fotografiert wie sie (wenigstens) hinter ihrem Gatten Downing Street Nr. 10 verließ. Beide hatten einen Klatschmohn am Revers, aber Sarahs Klatschmohn war viiiiel größer und viiiel schöner als der ihres Gatten. Dabei ist der doch der Premierminister. Darf die das? Sollte Gordon ihr da nicht den HosenRockboden strammziehen?

    Geht’s denn darum, wer den Größten hat? Den Poppy bekommt man, wenn man der RBL spendet. Egal ob man 50 Pence oder 5 Pfund oder 50 Pfund gibt: Davon wird der Klatschmohn nicht größer.

    Lange Zeit war der Klatschmohn-Appell ein Dankeschön und Anerkennung hauptsächlich an die Veteranen und Kriegsversehrten der Weltkriege. Auf einmal hat die RBL wieder reichlich junge Kriegerwitwen, oftmals mit kleinen Kindern, zu unterstützen. Jeden Tag sterben in Irak und Afghanistan junge Soldaten. Erst diese Woche war unter den in Afghanistan von einem Polizisten erschossenen britischen Soldaten ein Junge von nur 18 Jahren.

    Der Poppy Appeal ist aktueller denn je, und es sollte mich nicht wundern, wenn dieses Jahr noch mehr Geld gespendet würde als sonst. Die Soldaten und ihre Schicksale sind in jedermanns Gedanken, so dass es auch keiner besonders lustig fand, dass diese Woche ein Student in Sheffield auf die Klatschmohnkränze auf einem Kriegerdenkmal pinkelte.

  • Remember, remember ...

    Kaum ist Halloween vorbei steht der nächste Anlass, sich zu betrinken, bereits vor der Tür: Morgen ist “Bonfire Night” oder auch “Guy Fawkes Day”, der sich für Deutsche beinahe so anfühlt als würden Ostern und Silvester auf einen Tag fallen – bis auf die Tatsache, dass weder morgen noch übermorgen Feiertag ist: Der 5. November wird traditionell mit Feuern und Feuerwerken gefeiert (Osterfeuer und Silvesterknaller sind dafür nicht üblich.)

    Am 5. November 1605 versuchte eine Gruppe katholischer Aufrührer die Houses of Parliament samt König in die Luft zu sprengen, ein Ereignis, das als „Gunpowder Plot“ in die Geschichte einging. Die Sicherheitsvorkehrungen waren noch relativ lax, so dass man Kellerräume unter dem Parlament mieten konnte, z. B. um dort seine Modelleisenbahn aufzustellen oder um die Früchte seiner Einkaufssucht vor dem Gatten zu verstecken. Guy Fawkes, der seinen Kellerraum unter dem originellen Namen „John Johnson“ gemietet hatte, brachte ein paar Wochen damit zu, nach und nach kleine Pulverfässer dort hinein zu räumen.

    Der 5. November 1605 war die „Grand Opening of Parliament“ – die erste Zusammenkunft des Parlaments nach der Sommerpause – so dass eine hohe Teilnahmequote erwartet wurde. Jetzt hatte aber zumindest einer der Verschwörer einen Abgeordneten in der Verwandtschaft, an dem er auch zu hängen schien. Diesem Verwandten, Lord Monteagle, schickte er einen Brief, in dem er ihm riet, sich für die Parlamentseröffnung krankschreiben zu lassen. Aber statt diesem Rat zu folgen, warnte Lord Monteagle das ganze Parlament und den König, da am 5. November lieber nicht hin zu gehen. Er las den Brief im Parlament laut vor, wahrscheinlich um die Aufrührer zu warnen, dass die Katze aus dem Sack ist.

    An dem Punkt wäre es schlau gewesen, sich zu verdünnisieren, denn es wusste niemand, wer die Rebellen waren, doch Guy Fawkes ging am Abend des 4. November einfach mal in seinem Keller nach dem rechten sehen. Seine Fässchen waren alle noch da und es sah genauso aus, wie er es verlassen hatte, also wurde entschieden, dass wie geplant fortgefahren werden solle. Und so wurde Guy Fawkes am 5. November 1605 mit einem Fidibus und einem Streichholz in der Hand in einem Keller voller Pulverfässer festgenommen. Er war zwar nicht der einzige Verschwörer, aber der erste, der erwischt wurde, so dass ihm die Ehre zuteil wurde, dem Tag seinen Namen zu geben.

    Zur Feier dieses Tages werden ab ca. Mitte Oktober und bis ca. Mitte November hier und da Feuerwerke losgelassen. Die Intensität, Häufigkeit und Ausgereiftheit der Feuerwerke nehmen um den 5. November herum zu, und viele Organisationen und Stadtverwaltungen veranstalten sogar eine Art Kirmes. Weil Guy-Fawkes-Day leider in diesem Jahr auf einen Donnerstag fällt, finden die Bonfire-Festivitäten am Wochenende vorher oder nachher statt.

    Die Popularität der Bonfire Night mag von Halloween überschattet worden sein, aber ganz tot ist sie dann doch noch nicht.

  • Bonfire Night ist tot, es lebe Halloween!

    Es ist Halloween. Seit Ende August sind Geschäfte und Pubs in (Kürbis-)Orange und Schwarz geschmückt, und überall hängen Spinnweben aus Watte mit Spinnen aus Plastik und in Supermärkten gibt’s beim Partybedarf Hexenkostüme aus Nylon. Jack-o-Lanterns – die grinsenden Kürbisgesichter – aus allen möglichen Materialien außer Kürbis zieren Schaufenster, Fenster und Tresen. Die Kinder ziehen um die Häuser, drohen „Trick or Treat“ und sammeln Süßigkeiten (das sind die „Treats“) in Plastiktüten. Wer nichts gibt oder sich tot stellt, dessen Haus wird mit nassen Wattebäuschen oder Mehl beworfen. (Das ist der Trick.) Obwohl die Polizei gedroht hat, dass sofort Schluss mit lustig ist, wenn sie so etwas sieht. Ein typisch englischer Brauch. Ähm ... nee, der Brauch ist hier genauso fremd wie in Deutschland. Jedenfalls seit Einzug des Christentums. Ansonsten ist er amerikanisch.

    In Deutschland hat der Captain Cook vorgestern extra gruselige Kekse (man beachte den „Dackel des Todes“) gebacken, um sie eventuell vorsprechenden, schreckenerregenden Kindern auszuhändigen. Das finde ich super (und ich hoffe, sie wussten zu schätzen, wie viel Mühe das war! Wo sonst bekommt man schon Selbstgebackenes?).

    Das ist ja alles schön und ich gönne den lieben Kleinen ja auch den Spaß, aber brauchen wir das? Wussten wir vor der Ankunft von Halloween nicht, was wir um diese Jahreszeit machen sollen? Ist es nicht schade, dass es immer mehr Länder gibt, die an diesem Tag das Gleiche machen? Wird nicht alles langsam eine immer gleiche Suppe? Nur Pueten schien das so ähnlich zu sehen, wie ich ...

    Als ich klein war, sind wir um diese Jahreszeit – im Vorfeld des Martinstages – gelegentlich nach Einbruch der Dunkelheit Laterne gegangen. Wir waren eine Gruppe von zehn bis zwanzig Kindern im Kindergarten- bis Grundschulalter, jedes mit einer Papierlaterne an einem Stock, begleitet nicht von Erwachsenen, sondern von zwei bis drei älteren Geschwistern, so um die Dreizehn oder Vierzehn. Wir haben „Laaaa-tärne, Laaaa-tärne, Sonne, Mond und Stär-ne“ gesungen, vor manchen Häusern – hinter deren Türen wir großzügige Geber vermuteten – ein Ständchen gebracht, ein paar Bonbons eingesammelt und sind weitergezogen. Ich habe das geliebt! Heute sieht man gelegentlich ein einzelnes Kind (oder vielleicht zwei Geschwister) einsam und allein, die Mutter an der einen Hand, die schlenkernde Laterne in der anderen, am Straßenrand entlang watscheln. Falls überhaupt gesungen wird, dann mit einem einsamen, dünnen Stimmchen. Tragisch!

    Versteht mich nicht falsch: Ich bin sicher, die Kinder von heute lieben Halloween genauso, wie wir unser Laternegehen, aber warum müssen wir uns einen fremden Brauch ausleihen, wenn wir selber schon einen sehr schönen hatten?

    Heute Nachmittag, als sich der Gatte und ich uns mit einem Tässchen Kaffee und einer dicken Samstagszeitung an unserem frisch aufgestellten Küchentisch breit machten, stieß ich auf den Kommentar eines britischen Autors, der mir aus dem Herzen sprach.

    Wie gesagt ist Halloween auch kein britischer Brauch (mehr). Trotzdem wird er von jung und alt ausgiebig gefeiert. Schade daran ist, schrieb der Journalist, dass die englische Bonfire Night, die am 5. November ansteht, dank Halloween mehr und mehr an Bedeutung verliert. Als wären immer neue Gesundheits- und Sicherheitsregulierungen nicht genug, die Bonfire Night zu unterminieren. Als er aufwuchs hatte jedes Dorf und jeder Stadtteil am 5. November irgendwo ein Bonfire, wo alle zusammenkamen (ähnlich wie bei unseren Osterfeuern). Heute finden sich kaum noch Freiwillige, die das organisieren wollen, denn wenn sie sich erst einmal mit der Kommunalverwaltung herumgeschlagen und das Geld für die jetzt notwendige Versicherung aufgebracht haben – von der körperlichen Arbeit einmal ganz zu schweigen -, kommt nicht einmal mehr einer.

    Der Autor ist bestimmt so alt wie ich.

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