Vor ein paar Tagen hat ein FB-Freund ein Link zu diesem Blog gepostet und ich hab's gelesen.
Ich hab ja auch immer ein ungutes Gefühl, wenn ich bei Firmen einkaufe, die quasi ein Monopol haben oder sie einfach zu groß sind und ärgere mich, wenn ich an denen nicht vorbei komme (oder zu kommen glaube). Kundin bin ich trotzdem. Nun sind natürlich die Berichte über Amazon auch an mir nicht spurlos vorbei gegangen und hier in GB verfährt Amazon natürlich auch nicht anders als in Deutschland. Und wenn wir alle mal ehrlich sind, wundert uns das ja auch nicht. Es ist immer zu schön, um wahr zu sein.
Als erste Amsthandlung, habe ich auf der Stelle das "Amazon-Wunschzettel-Add-on" und das Lesezeichen von meinem Browser entfernt. Boah. Da hat Amazon jetzt aber Angst.
So weit, dass ich mein Konto gelöscht habe, bin ich noch nicht. Ich trau mich nicht. Und das allein ist ja schon recht beängstigend!
Ich bin Amazon-Kundin der ersten Stunde. Ja, ich war sogar schon Kundin bevor Amazon Amazon war. In den 90ern gab es den "ABC Bücherdienst", und der wurde irgendwann von Amazon gekauft, mit mir als Kundin gleich mit.
Amazon weiß genau, was mich interessiert und worauf ich stehe. Das war mir auch lange unangenehm, aber wer bloggt und auf Facebook ist, braucht sich über so was ja nicht aufzuregen. Weil sie genau wissen, was mich interessiert, sind natürlich die Empfehlungen immer genau meine Kragenweite, und so gelingt es Amazon seit Jahren, mir Büchersüchtigen das Geld aus der Tasche zu ziehen und meinen SUB zu erhöhen.
Aber brauch ich Amazon? Bücher kann ich auch woanders kriegen, zum Beispiel im Buchladen. Das ist mir sowieso lieber, denn ich gucke gern mal rein, gucke rum, sehe mir an, was sonst noch so da ist. Manchmal habe ich aber ein bestimmtes Buch im Sinn, habe mich schon entschieden, es zu kaufen, und sie haben es nicht da. In Deutschland kann man es dann bestellen und dann ist es am nächsten Tag da. Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich weiß nicht, ob das hier auch so ist. Ich habe noch nie ein Buch in einem Buchladen bestellt. Wird aber wohl so sein. Schneller ist Amazon auch nicht.
Es sei denn, natürlich, man lädt ein Buch auf seinen Kindle (den ich natürlich auch habe). Das hat man dann sofort. Brauch' ich Amazon für eBooks? Nein, anscheinend nicht. Jeder verkauft jetzt eBooks und meine Bücherei verleiht sogar welche.
Dann sind da die Kindle-Apps auf Handy und iPad. Die sind sehr praktisch, weil man damit so schön lesen kann (das kann man mit iBook allerdings auch), aber vor allem, weil sie syncen, wenn man mal auf einem anderen Gerät weiterlesen will: Ich habe mal ungeplant bei Freunden übernachtet und hatte kein Buch dabei. Das geht eigentlich gar nicht. Dank Kindle-App konnte ich mein Buch von Amazon aufs Handy laden und weiterlesen. Aber irgendwie habe ich früher auch ohne Apps gelebt. Das muss ja noch möglich sein. Vielleicht muss ich dann in Zukunft in solchen Situationen einfach die Augen zu machen und schlafen, oder mir von meinen Freunden ein Buch leihen oder immer ein Buch mit mir führen. Was ich ja fast sowieso immer tue. Höchst selten, dass ich mal keins mit habe (und gerade dann vermisst man es).
Als nächstes muss ich über KDP (Kindle Desktop Publishing) nachdenken. Ich wollte ja dann doch irgendwann mal, wenn ich mich mal wieder aufraffen kann, das Teil zu bearbeiten *hust*, Teile meines Britblogs als eBook veröffentlichen. Das geht selbstverständlich mit Amazon ganz einfach. Außer meiner Faulheit, endlich das Buch umzustrukturieren und die letzten Fehler auszubügeln, steht der Veröffentlichung noch im Wege, dass Amazon einen ganzen Batzen vom Verkaufspreis zurückbehält, um ihn an die amerikanischen Steuerbehörden weiterzuleiten. Die einzige Möglichkeit, das zu umgehen ist, dass ich bei der amerikanischen Steuerbehörde nachweise, dass ich in GB wohne und hier Steuern zahlen werde. Um mich von der amerikanischen Steuer zu befreien, muss ich aber zuerst eine amerikanische Steuernummer beantragen und dafür muss ich ein Formular ausfüllen und mit meinem Reisepass an die amerikanische Botschaft schicken. Das ist bisher nicht passiert. Wenn ich KDP meide, dann brauche ich mir um den Scheiß wohl auch keine Gedanken mehr zu machen. Ich muss nur eine Plattform finden, bei der ich in GB hochladen kann und man in D runterladen darf. Gibt's doch bestimmt, müsste ich nur ein bisschen suchen.
Der Amazon-Wunschzettel? Ja, praktisch. In Annäherung an meinen kürzlich gehabten Geburtstag habe ich ein Link zu meinem Amazon-Wunschzettel an meine Kollegin geschickt (die Sammlung im Büro ergibt immer ziemlich viel Geld) und meinen Mann. Mein Mann hat den Wunschzettel wie immer ignoriert. Meine Kollegen haben mir ein paar Sachen von meinem Wunschzettel geschenkt (jedes einzelne ein Hit und hat mich gefreut). Praktisch, aber man kann ja auch einfach, wie in alten Zeiten, einen Wunschzettel auf Papier schreiben.
Amazon-Internet-Versand: Pfeif drauf. Ich bestelle nur ganz selten und sehr ungern online. Ich gehe lieber in richtige Geschäfte, vor allem, wenn es sich um etwas handelt, das sowieso nicht in den Briefkasten passt. Das kommt dann oft mit Kurierdienst, ich bin nicht zu Hause und muss dann kilometerweit fahren, um es abzuholen. Nö. Außerdem kaufe ich ja nix mehr, ne? 
Amazon Music Downloads - benutze ich sowieso selten. Meistens nehme ich iTunes (ja, ich weiß, die sind auch nicht besser), aber ich bin kein großer Musik-Freak. Musik bekommt man ja gewiss auch woanders.
Bücherverkauf - Für Belletristik bekommt man eh nichts. Für den Erlös von 0,01 £ geh ich nicht zur Post. Dazu bin ich zu faul, da bringe ich meine ausgelesenen Bücher lieber in den Charity Shop oder schenke sie der Bücherei. Für alles andere gibt's eBay, Flohmarkt oder Green Metropolis (siehe unten).
Bücher, Filme, Musik aus Deutschland - Also, da sehe ich ein Problem. Dafür war Amazon immer gut. Deutsche Filme würde ich hier sonst so gut wie nie zu sehen kriegen. Nur ganz selten schafft es mal einer ins Kino, wie z. B. "Das Leben der Anderen". Aber ich könnte ja eine Einkaufsliste (Wunschzettel?) führen, für meinen nächsten Deutschland-Besuch und dann zuschlagen.
Gratisbücher - Ich habe einen Newsletter von diesen Leuten hier abonniert. Viel Schrott, aber was habe ich da schon für schöne Schätzchen gefunden. Ganz umsonst. Die krieg' ich aber nur über mein Kindle-Konto bei Amazon. Wenigstens verdient Amazon nicht dran, aber überhaupt ein Konto zu haben ist ja dann wieder inkonsequent. Und mein SUB ist ja auch so schon hoch genug.
Last, but not least: Lovefilm. Ein Lovefilm-Konto habe ich auch schon seit Jahren, und auch schon bevor Lovefilm Amazon gehörte. Das müsste dann also auch weg, aber auch da gibt's Alternativen.
Zu den Alternativen: Ich habe mich mal ein bisschen umgesehen (siehe Linkliste unten - sorry, für Deutschland zu recherchieren, dazu war ich zu faul). Es gibt reichlich Alternativen für alles. Klar, einige davon sind auch wieder große Firmen und die haben wahrscheinlich auch alle Dreck am Stecken, oder wenigstens einige. Aber manche sind klein - jedenfalls im Vergleich zu Amazon -, manche sind sogar anscheinend richtig gute Menschen, und irgendwo muss man ja anfangen. So richtig viel Mühe habe ich mir auch nicht gegeben. Wenn man wirklich will, findet man sicher noch mehr kleine und unabhängige Firmen.
So. Vom Anfang dieses Eintrags (unentschlossen, voller Zweifel und ängstlich) bis zum Ende habe ich mich quasi schon entschieden, denn ... "ängstlich" weil ich irgendwo nicht mehr einkaufen will? Herzrasen, weil ich mir ein Leben ohne Amazon nicht vorstellen kann? Really? Bin ich abhängig von einem multinationalen Großkonzern?
Sonst brauch ich keinen Grund. Ich bin dann mal weg.
Alternativen in GB
Waterstones, Foyles und WHSmith - die größten Buchketten in GB. Bücher und eBücher, DVDs etc.
The Book People
Bücher, sehr günstig, teilweise günstiger als Amazon. eBooks - nicht so günstig wie Amazon, keine unter 3 £, keine gratis.
The Little, Brown Bookshop
Da gibt's Bücher, eBooks und sogar einen Wunschzettel.
Book Shop Search - für Leute, die nicht mehr wissen, wo ihr nächstgelegener Buchladen ist
Open Library
Über 1 Million kostenlose Texte. Da muss sich doch wohl was finden lassen.
Hive
Bücher, eBooks und anderer Krempel
Green Metropolis
Bücheran- und -verkauf, mit Option einen Teil des Erlöses für einen wohltätigen Zweck zu verschenken.
Filme/Online Streaming
Netflix
Blinkbox - von Tesco, auch wieder Schurken auf ihre ganz eigene Art
DVD-Verleih
Cinema Paradiso
Blockbuster - Ich dachte, die wären pleite. Vielleicht sind das nur die richtigen Geschäfte, nicht das Online-Geschäft.